Hintergrund

Historie

Die evangelische Versöhnungskirche in der Schänzlebergstraße steht – gemessen an der Ortsgeschichte – noch nicht allzu lange: Gebaut wurde sie vor rund 60 Jahren ursprünglich am Rand des Ortes, gewissermaßen nach außen, an die Grenze verbannt. Heute hat sie, kommt man von der stark frequentierten S-Bahn-Haltestelle Jöhlingen-West, an prominenter Stelle auf dem Weg in die Ortsmitte.

Evangelische Kirchengemeinde Jöhlingen - eine junge Gemeinde

In dem ursprünglich zum Bistum Speyer gehörigen „rein katholischen“ Jöhlingen gab es bis ca. 1933 kaum hundert evangelische Christen. Die wenigen, meist in katholisch-evangelischen „Mischehen“ Lebenden wurden jahrzehntelang von Berghausen aus „betreut“, dann ab 1904 von Wössingen und später von Grötzingen aus. Als 1933 die Anzahl evangelischer Christen in Jöhlingen auf 100 angewachsen war (bei 2 600 katholischen Einwohnern), wurde am 16. Juli 1933 der erste evangelische Gottesdienst gehalten. Gottesdienststätte war ein Saal im alten Rathaus. Umliegende Gemeinden halfen mit der notwendigen Ausstattung, zum Beispiel einem Harmonium, einer Altardecke, der Altarbibel. Die Gottesdienste – bald 14tägig – wurden vom jeweiligen Wössinger Ortspfarrer, zu Zeiten auch von einem Vikar aus Grötzingen gehalten.

Als die Zahl der Gemeindeglieder auf 126 Personen angewachsen war, begann man Geld für einen eigenen Kirchenbau anzusparen. 1938 verlegte die Landeskirche die seelsorgerliche Betreuung der Gemeinde nach Grötzingen. 1939 konnte das heutige Grundstück (noch ohne das Pfarrhaus) erworben werden. An den Bau einer eigenen Kirche war freilich während der Nazizeit und des Krieges nicht zu denken. 1943 kündigte die politische Gemeinde der evangelischen Kirche das Gastrecht im Rathaus, und es war der katholischen Kirche hoch anzurechnen, daß sie der jungen evangelischen Kirchengemeinde Raum im „Elisabethenhaus“ (katholische Schwesternsstation und Kindergarten) gewährte.

Grundsteinlegung 1949

Gegen Kriegsende nahm die evangelische Gemeinde zahlenmäßig aufgrund des Zustroms von Ostflüchtlingen (zum Beispiel aus dem Banat) deutlich zu. Nun war auch ein Kirchenbau möglich: Am 14. Juli 1949 erfolgte die Grundsteinlegung, am 18. März 1951 die Einweihung der Kirche. Ab 1968 kam das heutige Pfarrhaus hinzu. Zu diesem Zeitpunkt zählte die Gemeinde rund 700 Glieder. Noch immer gehörte die Kirchengemeinde – obwohl sie bereits mit Pfarrer Emil Dzeik einen eigenen Seelsorger hatte – rechtlich als kirchlicher „Nebenort“ zu Grötzingen. Es erfolgte der politische Zusammenschluß der Orte Wössingen und Jöhlingen zu Walzbachtal, und infolgedessen beschloß die Landeskirche, daß die Jöhlinger Kirchengemeinde nunmehr zu Wössingen gehören sollte, auch wenn man an beiden Orten über diese Zuordnung nicht sehr glücklich war.

Ökumene

Auf Drängen beider Kirchengemeinderäte – Jöhlingen mit seinen nunmehr 800 evangelischen Gemeindegliedern verstand sich nicht mehr als „Nebenort“ – entschied die Landessynode am 17. Oktober 1977 die Selbstständigkeit der Kirchengemeinde Jöhlingen. Ihr erster Pfarrer wurde Hartmut Rehr (1978- 1989). Während seiner Dienstzeit wuchs die Gemeinde auf über 1000 Mitglieder. Die Renovierung des Pfarrhauses und ein Anbau (heute Pfarrbüro) waren nötig, auch die Anschaffung einer neuen Orgel erfolgte. Von Beginn an suchte die neue selbstständige Kirchengemeinde den ökumenischen Austausch mit der katholischen Nachbargemeinde, es gab gemeinsame Sitzungen der Kirchengemeinderäte, ökumenische Schulgottesdienste, ökumenische Trauungen. Erstmals feierte man gemeinsam 1985 den Weltgebetstag der Frauen - eine Tradition, die bis heute Bestand hat.

Kirchenerweiterung 2003

Unter den Nachfolgern Rehrs (Pfarrer Wolfgang Werner 1990 – 1999, Pfarrer Friedhelm Sauer 1999 – 2008, seit 2010 Pfarrer Oliver Hoops) wurde diese ökumenische Ausrichtung der Gemeinde weiter gepflegt. Als zu klein erwies sich die ursprüngliche Kirche vor allem im Blick auf Nebenräume für Gruppen. So erfolgte schließlich 2003 ein längst ersehnter und nur unter erheblichen Anstrengungen der Gemeinde und mit Hilfe vieler Spendenmitttel möglich gewordener größerer Anbau an die Kirche. Hier gibt es nun einen Begegnungsraum für Gruppen, Jugend- und Kindergottesdiensträume, sanitäre Anlagen, einen Glockenturm und eine modern eingerichtete Küche.

Die evangelische Versöhnungskirche ist heute zentraler Gottesdienstort für rund 1400 Gemeindeglieder.

Bild: uschi dreiucker / pixelio.de